Monatsthema Mai
Zeckenbisse

Mit der warmen Jahreszeit sind sie im Anmarsch – die Zecken. Sehr zum Ärger vieler Gartenfreunde, Park- und Waldbesucher. Die winzig kleinen Blutsauger, die übrigens keine Insekten, sondern Spinnentiere sind, lauern in Bäumen und Büschen, sitzen auf Gräsern, Ästen und Farnen. Und das ist das Gemeine: Man „holt“ sich einen Zeckenbiss sozusagen im Vorbeigehen, wenn man über den Rasen tollt oder im Wald spazieren geht. In unserem Monatsthema erfahren Sie, wie Zecken vorgehen, wie man einem Zeckenbiss, der genau genommen ein Zeckenstich ist, vorbeugen kann, warum Zecken so gefährlich sein können und wie man sie richtig entfernt.

1. Zecken als Krankeitsüberträger
2. Wie Zecken Blut saugen
3. Wo sich Zecken aufhalten
4. Was nach einem Zeckenstich passiert
5. Warum Zecken so gefährlich sind
6. Prävention ist der beste Schutz
7. Wie man Zecken richtig entfernt 

Folge uns auf Instagram & Facebook und bleibe immer auf dem Laufenden.

1. Zecken als Krankheitsüberträger

Zecken – und es gibt etwa 900 verschiedene Zeckenarten weltweit – sind kleine blutsaugende Parasiten aus der Familie der Spinnentiere, die zum Überleben das Blut eines anderen Lebewesens brauchen. Ausgewachsen haben sie acht Beine. Bevor sie sich mit Blut vollgesaugt haben, sind sie nur ein bis zwei Millimeter groß. Das Blut braucht die Zecke, um sich fortzupflanzen.

Sobald es wärmer wird, werden die Zecken aktiv, allerdings bereits ab Temperaturen von zehn Grad Celsius. Deswegen sind sie im Grunde genommen von Frühling bis Herbst ein Krankheitsrisiko. Denn sie können verschiedene Krankheitserreger übertragen wie etwa FSME-Viren (die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine gefürchtete Virusinfektion, gegen die man sich impfen lassen kann) oder Borreliose-Bakterien (gegen die Lyme-Borreliose, auch Wanderröte genannt, kann man sich leider nicht impfen). Dazu lassen sie sich gerne an warmfeuchten Körperstellen nieder, um dort ans Blut zu gelangen, also etwa unter den Achseln oder in der Leistengegend, in der Ellenbeuge, am Bauchnabel, in der Kniekehle, am Hals und hinter den Ohren.

Image

2. Wie Zecken Blut saugen

Zecken verfügen über einen Stech- und Saugapparat im Mund. Um das Blut saugen zu können, stechen sie erst die Haut damit auf, dann führen sie eine Art Stechrüssel in die Schnittwunde ein. Während des Saugens gibt die Zecke Speichel ab. Der wiederum betäubt die Einstichstelle und hemmt die Blutgerinnung. Außerdem fungiert er wie Klebstoff, der Hilft, die Mundwerkzeuge in der Haut zu halten. Viel wichtiger noch Der Speichel enthält auch einen entzündungshemmenden Wirkstoff, der dazu führt, dass das menschliche Immunsystem nicht sofort aktiv wird.

3. Wo sich Zecken aufhalten

Image

Zecken halten sich gern in hohem Gras oder feuchtem Laub auf, im Wald, im Unterholz, im Park, auf dem Fußballplatz, eben überall dort, wo es grün ist. Sie lieben Feuchtigkeit und bevorzugen Regentag im Sommer.

4. Was nach einem Zeckenstich passiert

Nach dem Zeckenstich entsteht um die Stichstelle ein sich nach und nach vergrößernder, rötlicher bis hell-violetter Hautausschlag. Vorsicht: Es kann mitunter Wochen dauern, bis der rote Fleck erscheint. Er ist in der Mitte blasser als an den Rändern und „wandert“ langsam ringförmig von der Stichstelle weg. Mit dem Fleck können dann auch erste Symptome auftreten: Kopfschmerzen und Fieber. Der Betroffenen fühlt sich nach und nach immer kränker, mit Muskel- und Rückenschmerzen. In dieser Anfangsphase kommt man um Antibiotika nicht herum. Die Krankheit muss damit behandelt werden, um Komplikationen wie Gehirn- und Nervenentzündungen zu verhindern.

Image

5. Warum Zecken so gefährlich sind

Ein Zeckenstich ist keine Kleinigkeit, denn zwei gefährliche Krankheiten können durch Zecken übertragen werden: Die  Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Lyme-Borreliose.

Image

5a. Die 1. Gefahr: Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Zecken sind in ganz Deutschland zu finden, allerdings treten FSME-Erkrankungen vermehrt in vom Robert Koch-Institut (RKI) ausgewiesenen Risikogebieten auf, vor allem in großen Teilen Bayern, Baden-Württembergs sowie in Teilen Südhessens, Sachsens und Thüringens. Aber auch in Mittelhessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen gibt es FSME-Risikogebiete. Ein Risikogebiet wird definiert durch eine bestimmte Anzahl an FSME-Erkrankungen, die binnen fünf Jahren in einem Landkreis gemeldet wurden.

Die gute Nachricht zuerst: Infizierte erkranken überwiegend nicht. Laut Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz (bgv)  kommt es in 10 bis 30 Prozent aller Fälle nach einem Zeitraum von 7 bis 14 Tagen zum Auftreten grippeähnlicher Symptome. Aber auch nur ein kleiner Teil der Infizierten – und auch hier laut bgv überwiegend Erwachsene – bekommt schwere Krankheitssymptome wie eine Entzündung der Hirnhäute und bei diesen schweren Fällen auch nur ein Teil bleibende neurologische Ausfälle.

Gleichwohl zeigten neueste Erkenntnisse, dass auch bei an FSME erkrankten Kindern über längere Zeit neurologische Störungen auftreten, nachgewiesen werden können. Deswegen gilt: Vorsicht ist besser als Nachsicht, eine präventive FSME-Impfung schützt. Sie ist auch deswegen so wichtig, weil die FSME selbst nicht behandelbar ist, es also, das sei deutlich gesagt, eine Therapie gegen die vom FSME ausgelöste Hirnhautentzündung nicht gibt.

Bei der Impfung werden inaktivierte FSME-Viren gespritzt. Der Impfstoff kann also keine Erkrankung mehr auslösen, sorgt aber dafür, dass das Abwehrsystem Antikörper gegen die FSME-Viren bildet, damit man im Falle einer Infektion gut gewappnet ist.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfiehlt daher FSME-Schutzimpfungen ausdrücklich für alle Kinder ab dem 1. Geburtstag und alle Jugendlichen und Erwachsenen, die in einem FSME-Risikogebiet (siehe dazu Unterpunkt 8) leben. Auch für jene, die einen Aufenthalt oder Urlaub in einem FSME-Risikogebiet planen, empfiehlt die STIKO eine FSME-Impfung.


5b. Die 2. Gefahr: Borreliose

Gleich vorweg: Gegen Borreliose kann man sich nicht durch eine Impfung schützen – es gibt bislang nämlich keinen Impfstoff. Deswegen ist Prävention in Sachen Zecken (siehe dazu Unterpunkt 6) auch so wichtig.

Borreliose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Bakterien des Typs Borrelia ausgelöst wird, die wiederum in der Regel durch einen Zeckenbiss (in ganz seltenen Fällen wird sie auch durch andere Insekten wie Stechmücken übertragen) ausgelöst wird. Die Bakterien sitzen im Darm der Zecke und werden in der Regel nach 12 bis 24 Stunden übertragen. Das Risiko einer Borrelieninfektion sinkt daher deutlich, wenn man die Zecke rechtzeitig entfernt (siehe dazu Unterpunkt 7).

Ihren Namen verdankt die Borreliose dem französischen Bakteriologen Amédée Borrel (1867 bis 1936), die Identifizierung der krankheitsauslösenden Bakterienstämme gelang 1982 dem aus der Schweiz stammenden und in den USA arbeitenden Parasitologen Willy Burgdorfer.

Unterschieden wird zwischen zwei Formen der Borreliose: der Lyme-Borreliose und dem Rückfallfieber. Letzteres tritt in Europa aber praktisch nicht auf.

Die Symptome bei Borreliose treten diffus auf und lassen einen zunächst an andere Krankheiten denken. In ihrer Gesamtheit deuten die Symptome dann aber, wenn man sie kennt, auf Borreliose hin.

Wichtigstes Symptom ist die „Wanderröte“, die in Stadium I auftritt: Als Frühsymptom und typisch zu erkennen, tritt ein ringförmiger, rötlicher Hautausschlag, der einem roten Kreis ähnelt, auf. Weil er sich immer weiter ausbreitet – bis zu einem handtellergroßen Durchmesser – wird er als „Wanderröte“ bezeichnet. Diese erscheint übrigens bei der Hälfte aller Infizierten.

In Stadium I können auch diverse andere Symptome auftreten, etwa Schwellungen der Lymphknoten, Kopf- und Gliederschmerzen, allgemeines Unwohlsein, Fieber, vermindertes Hörvermögen, aber auch Konzentrationsschwäche und Bindehautentzündung.

In Stadium II, das typischerweise einige Monate nach der Infektion beginnt, wenn die Borreliose nicht behandelt wurde, verstärken sich die Symptome und auch neue kommen hinzu. Das Ganze deswegen, weil inzwischen beinahe alle Organe und Geweben befallen sind. Symptome können daher Muskel- und Nervenschmerzen, verstärkte grippeähnliche Symptome, aber auch über den ganzen Körper verteilte Rötungen, Lähmungen und Verminderung der kognitiven Fähigkeiten sein.

Stadium III kann Monate bis sogar Jahre nach der Infektion eintreten. Die bisherigen Symptome können immer noch bestehen, aber es haben sich weitere schwere Erkrankungen gebildet, etwa eine chronische Arthritis. Ist auch das Nervensystem befallen, können Lähmungserscheinungen auftreten, die den gesamten Körper betreffen können.

6. Prävention ist der beste Schutz

Keine Frage: Borreliose ist eine schwere Krankheit. Bei einer frühzeitigen Diagnose und Therapie bestehen aber große Aussichten auf vollständige Heilung. Hierbei muss der Patient mehrere Wochen lang mit Antibiotika behandelt werden – da führt kein Weg dran vorbei.

Deswegen gilt: Vorsorge ist der beste Schutz!

Um einen Zeckenstich zu vermeiden, sollten Sie ihrem Kind vor einem Aufenthalt im möglichen Zeckengebieten – Stichwort Waldkindergarten und Co. – feste Schuhe anziehen und helle Kleidung, die den Körper weitestgehend bedeckt. Hell deswegen, weil sich darauf Zecken am besten finden lassen. Nach dem Aufenthalt in Wald und Gebüsch bitte sorgfältig den ganzen Körper nach Zecken absuchen – vor allem am Kopf, Haaransatz, Hals unter den Armen, zwischen den Beinen, in der Leistengegend und in den Kniekehlen. Denn dass eine Zecke sich auf den Körper setzt, bleibt ansonsten in der Regel unbemerkt. Zeckenabweisende Sprays halten die Tiere auch einige Zeit auf Abstand.

Beim Ausflug auch dafür sorgen, dass der Nachwuchs am besten auf festen Wegen bleibt, Unterholz und hohes Gras sollten vermieden werden.

7. Wie man Zecken richtig entfernt

Früher wurde empfohlen, dem Tier die Atemluft zu nehmen, indem man Nagellack, Öl oder Butter draufschmiert. Ist tatsächlich aber keine gute Idee, denn: Kommt die Zecke mit der Flüssigkeit in Berührung, sondert sie noch mehr Speichel ab, der wiederum Keime enthält und womit sich die Gefahr vergrößert, dass Krankheitserreger ins Blut gelangen. Auch die Zecke einfach rausdrehen, sollte man tunlichst unterlassen, denn: Der Stechrüssel ist kein Gewinde, sondern hat einen Widerhaken.

Stattdessen die Zecke bitte mechanisch mit einer Pinzette oder Zeckenkarte (gibt’s in der Apotheke) entfernen. Die Karte führt nah an der Haut entlang, die Zecke bleibt im Schlitz stecken und löst sich ab.

 

Im Folgenden eine kleine Anleitung:

1
Zecke mit spitzer Pinzette oder Zeckenkarte möglichst dicht an der Haut am Kopf fassen, nicht am vollgesogenen Körper.
2
Zecke langsam und gerade rausziehen, keinesfalls drehen.
3
Einstichstelle desinfizieren und auf Überreste der Zecke untersuchen. Falls der Stechrüssel in der Haut zurückgeblieben ist, ist das nicht schlimm. Er wird, ähnlich wie ein Splitter, nach einiger Zeit abgestoßen. Einstichstelle gegebenenfalls vom Kinderarzt oder der Kinderärztin untersuchen lassen.
4
In jedem Fall eine Kinderarztpraxis aufsuchen, wenn das Kind nach einem Zeckenstich allgemeine Krankheitszeichen oder eines der oben genannten Symptome zeigt.

Monatsthema Oktober Immunsystem

Wir benutzen Cookies
Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Du kannst selbst entscheiden, ob Du die Cookies zulassen möchtest. Bitte beachte, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.